ISO 27001 Interne Überprüfung: Wie man sie ohne externe Hilfe durchführt
Einleitung
Die ISO 27001, als internationale Norm für Informationsicherheitsmanagementsysteme (ISMS) anerkannt, legt klare Anforderungen an die Implementierung und Überwachung von Informationssicherheitsmaßnahmen fest. Insbesondere Artikel 9.2 der Norm fordert von Organisationen, dass interne Überprüfungen durchgeführt werden, um die Kontinuität und Effektivität des ISMS zu gewährleisten.Dieser Ansatz wird häufig missverstanden, da viele Organisationen glauben, dass sie mit der Einführung von Kontrollen und Prozessen die Anforderungen erfüllt haben, ohne überprüfen zu müssen, ob sie tatsächlich funktionieren. Diese Vorgehensweise birgt jedoch erhebliche Risiken, insbesondere für europäische Finanzdienstleister, die sich aufgrund ihrer Sensibilitätsdateneinsatz und -verarbeitung strengen Regelungen unterwerfen.
Die Bedeutung dieser Frage geht weit über finanzielle Sanktionen hinaus; sie betrifft auch Auditfehler, operative Störungen und den Ruf der Organisation. Die Verletzung von Informationssicherheitsvorschriften kann zu erheblichen Bußgeldern führen, wie in der Vergangenheit der Fall war, als Banken und Finanzinstitute aufgrund Mängels der IT-Sicherheit Bußgelder in Höhe von Millionen Euro zahlen mussten. Die Reputationsschäden können ebenso gravierende Folgen haben. Daher ist es entscheidend, die interne Überprüfung der ISO 27001 nicht nur als Verpflichtung zu behandeln, sondern als Schlüssel zur Verbesserung der Geschäftspraktiken und zur Schaffung eines sichereren Informationsumfelds für die Organisation.
In diesem Beitrag möchten wir Ihnen helfen, die interne Überprüfung der ISO 27001 in Ihrem Unternehmen effektiv durchzuführen, ohne auf externe Hilfe angewiesen zu sein. Wir werden auf die Kernprobleme eingehen, die dringenden Gründe für eine effiziente internen Überprüfung und die Schritte erläutern, die Sie unternehmen müssen, um Ihre Organisation sicherer und kompatibel mit den Anforderungen der ISO 27001 zu gestalten.
Das Kernproblem
Die interne Überprüfung der ISO 27001 scheint auf den ersten Blick recht einfach zu sein: Ein interner Auditor oder ein Compliance-Team überprüft die Umsetzung der Informationssicherheitspolitik und -verfahren. Tatsächlich ist es jedoch viel komplizierter und kostspieliger, als es anscheinend ist. Wenn nicht professionell durchgeführt, kann dies zu einer Vielzahl von Problemen führen, die sich in hohem Maße auf die finanzielle und operative Leistungsfähigkeit der Organisation auswirken können.
Die Realkosten solcher Fehlkonzepte sind beträchtlich: Eine unzureichende Überprüfung kann beispielsweise dazu führen, dass eine Organisation ihre IT-Infrastruktur oder Daten nicht ausreichend schützt und dadurch der Gefahren von Datenverletzungen und Cyberangriffen ausgesetzt ist. Eine Studie des Ponemon Institutes schätzte den durchschnittlichen Schadenskosten einer Datenverletzung auf rund 3,8 Millionen Euro. Selbiges gilt auch für Reputationsschäden, die sich rasant auf den Unternehmenswert auswirken können.
Ein häufiges Missverständnis ist die Annahme, dass alle in das ISMS integrierten Systeme und Verfahren automatisch ISO 27001-konform sind. Artikel 4.3 der ISO 27001 legt nahe, dass die kontinuierliche Überwachung und das kontinuierliche Verbessern der Prozesse im Mittelpunkt der internen Überprüfung stehen sollten. Ein Fehlverständnis dieser Norm kann zu einem Mangel an Transparenz und Kontrolle in Bezug auf den Ist-Zustand der Informationssicherheit führen, was wiederum zu einem erhöhten Risiko von Informationssicherheitsverletzungen führen kann.
Warum dies jetzt dringend ist
In jüngster Zeit hat die Finanzaufsicht in Europa, wie das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) und die Europäische Aufsichtsbehörde für das Bankenwesen und die Aufsicht über Wertpapierdienstleister (EBA), verstärkt auf die Notwendigkeit abgestimmter und überprüfbarer Informationssicherheitskonzepte hingewiesen. Die Vorschriften in der NIS-Direktive und die kommende Auflage der Verordnung über IT- und Cybersicherheit für Finanzinstitute (ITSG 2.0) zeigen, dass die Regulierungsbehörden erreicht haben, dass Organisationen eine stärkere Verantwortung und Transparenz in Bezug auf ihre Informationssicherheitspraktiken übernehmen.
Darüber hinaus wird durch den wachsenden Marktdruck, Verbraucherschutz und die Forderung nach Transparenz und Sicherheit im Bereich der Datenverarbeitung die Notwendigkeit einer effizienten internen Überprüfung immer dringender. Kunden und Geschäftspartner erwarten von Finanzdienstleistern, dass sie ihre Datenschutz- und Informationssicherheitsmaßnahmen nachweisen können – und das durch die Implementierung von international anerkannten Normen wie der ISO 27001.
Die Diskrepanz zwischen den Anforderungen und der tatsächlichen Umsetzung führt zu einem Wettbewerbsnachteil für Unternehmen, die nicht nachweisen können, dass sie eine umfassende und wirksame Informationssicherheitsstrategie verfolgen. In einer Zeit, in der Datenschutz und Sicherheit zu den zentralen Themen gehören, kann eine fehlgeschlagene intern Überprüfung zu einem ernsthaften Imageverlust und zu Verlusten von Kundenvertrauen führen. Daher ist es entscheidend, dass Organisationen die interne Überprüfung von ISMS als integralen Teil ihrer Geschäftsstrategie betrachten und nicht als optionale Maßnahme behandeln.
In Teil 2 dieses Beitrags werden wir uns den Schritten widmen, die Sie ergreifen müssen, um eine effektive interne Überprüfung nach ISO 27001 durchzuführen, und wie Sie Ihr Unternehmen schützen und gleichzeitig wettbewerbsfähig bleiben.
Das Lösungsframework
Um effektiv einen internen Audit gemäß ISO 27001 durchzuführen, ohne externe Hilfe zu benötigen, sollte Ihre Organisation einen schrittweisen Ansatz verfolgen. Dies beginnt mit derdetaillierten Planung und reicht bis hin zur Auswertung der Ergebnisse. Hier sind einige praktische Empfehlungen:
Grundsätzliche Vorbereitung: Zunächst sollte ein internes Auditteam eingerichtet werden, das die notwendige Fachkompetenz und Unabhängigkeit besitzt. Das Team sollte die Verantwortung für die Auditplanung, -durchführung und -bewertung übernehmen. In Artikel 4.2 der ISO 27001-Standards bezieht sich die Dokumentation auf die Bedeutung eines klar definierten Verantwortungsrahmens und der Kompetenzen der Beteiligten.
Auditplanung: Planen Sie die Auditaktivitäten detailliert, indem Sie den Umfang und die Häufigkeit der Audits festlegen. Hierbei sollten Sie die Risikobewertung der Informationssicherheit (ISMS) berücksichtigen. Bei der Planung nach Artikel 6.1 der ISO 27001 ist es wichtig, dies auf Risikobewertungen stützen und nicht gleichmäßig durchzuführen.
Auditdurchführung: Führen Sie den Audit gemäß dem festgelegten Plan durch und dokumentieren Sie alle Beobachtungen und Erkenntnisse. Befolgen Sie dabei Artikel 9.2, der die Erfassung und Bewertung von Leistungsindikatoren und -ergebnissen vorschreibt.
Berichte und Empfehlungen: Schließen Sie den Audit mit einer detaillierten Bewertung ab und erstellen Sie einen Bericht, der sowohl die Stärken als auch Schwachstellen Ihres ISMS enthält. Dies deckt sich mit Artikel 9.3, der die Analyse und Umsetzung von Verbesserungen vorschreibt.
Auswertung und Verbesserung: Verwenden Sie die Ergebnisse des Audits, um Verbesserungen voranzutreiben und sicherzustellen, dass Ihre Organisation kontinuierlich den ISO 27001-Anforderungen entspricht. Artikel 10.2 der Norm betont die Bedeutung der kontinuierlichen Verbesserung.
Ein "guter" Audit beinhaltet nicht nur die Erfüllung der Mindestanforderungen, sondern auch die Identifizierung von Verbesserungsmöglichkeiten und die Umsetzung von Vorbeugemaßnahmen. Im Gegensatz dazu reicht es bei einem "nur passierenden" Audit oft aus, wenn die minimalen Standards erfüllt sind, ohne tiefer zu gehen.
Häufige Fehler, die vermieden werden sollten
Es gibt einige häufige Fehler, die Organisationen bei der Durchführung eines internen ISO 27001-Audits begehen können. Hier sind drei der wichtigsten:
Unzureichende Vorbereitung: Viele Organisationen unterschätzen die Bedeutung einer gründlichen Vorbereitung. Sie überspringen wichtige Schritte wie die Schulung des Auditteams oder die detaillierte Planung des Audits. Dies kann zu einem unzureichenden Audit führen, der keine echten Erkenntnisse über die Effektivität des ISMS liefert. Stattdessen sollte ein detailliertes Audit-Checklist erstellt und eingehalten werden, um die Auditqualität zu gewährleisten.
Fokussierung auf Compliance statt auf Risiko: Einige Organisationen konzentrieren sich zu sehr auf die Einhaltung von Complianceanforderungen und(ignoreren die tatsächlichen Risiken für ihre Informationssicherheit. Dies kann dazu führen, dass wichtige Sicherheitslücken übersehen werden. Stattdessen sollte das Audit auf die Identifizierung und Bewertung von Risiken abzielen, wie es Artikel 6.1.2 der ISO 27001 vorschreibt.
Mangelnde Integration der Ergebnisse: Manchmal werden die Ergebnisse des Audits nicht in den betrieblichen Prozessen integriert oder werden keine Verbesserungen umgesetzt. Dies führt zu einer kontinuierlichen von Mängeln und Schwachstellen. Um dies zu vermeiden, sollten die Ergebnisse des Audits in regelmäßigen Diskussionen integriert und als Teil der strategischen Planung der Informationssicherheit berücksichtigt werden, was Artikel 9.3.2 vorsieht.
Tools und Ansätze
Bei der Durchführung eines internen ISO 27001-Audits gibt es verschiedene Ansätze und Tools, die Sie in Betracht ziehen können:
Manuelle Vorgehensweise: Dies kann dazu führen, dass mehr Zeit und Ressourcen erforderlich sind, da viele Prozesse und Checks manuell durchgeführt werden. Ein Vorteil dieser Methode ist jedoch die persönliche Kontrolle und Anpassung des Prozesses an die spezifischen Bedürfnisse der Organisation. Allerdings kann dies fehleranfällig sein und die Effizienz mindern, wenn nicht alle Aspekte sistematisch abgedeckt werden.
Tabellenkalkulations-/GRC-Ansätze: Das Gebrauchen von Spreadsheets für die Auditdokumentation hat den Vorteil, dass es flexibel und kostengünstig ist. Die Hauptbeschränkung ist jedoch die mangelnde Integration verschiedener Prozesse, was zu einer unzureichenden Transparenz und Koordination führen kann. Darüber hinaus kann dies zu Inkonsistenzen führen, wenn die Dokumente nicht aktualisiert oder nicht von allen Beteiligten freigegeben werden.
Automatisierte Compliance-Plattformen: Automatische Tools wie Matproof können die Komplexität der Audits reduzieren und die Effizienz erhöhen, indem sie die Verwaltung von Richtlinien, das Sammeln von Beweisen und die Berichterstattung automatisieren. Dabei hilft Matproof, die Anforderungen der ISO 27001-Standards zu erfüllen, indem es eine 100% EU-Datenresidenz und eine spezialisierte Anpassung an die Finanzdienstleistungen bietet. Ein Vorteil von Automation ist die Vereinfachung der Compliance-Aufgaben und die Reduzierung der manuellen Fehler. Allerdings kann die Automatisierung nicht alle Aspekte abdecken, wie die menschliche Intuition im Umgang mit komplexen Risiken und der Fokus auf die kontinuierliche Verbesserung, wie es Artikel 10.2 der Norm vorschreibt.
Wählen Sie Ihre Tools und Ansätze je nach Größe und Komplexität Ihrer Organisation sowie nach den spezifischen Anforderungen Ihres ISMS. Automatische Lösungen können wertvoll sein, um die Routineaufgaben zu erledigen, aber das menschliche Element und die Expertise eines gut vorbereiteten Auditteams sind unerlässlich, um tiefgreifende und fundierte Ergebnisse zu erzielen.
Getting Started: Ihre nächsten Schritte
Um mit der Durchführung einer internen ISO 27001-Revision anzufangen, folgen Sie diesem konkreten 5-Schritt-Aktionsplan, den Sie in dieser Woche umsetzen können:
Überprüfen Sie Ihre aktuellen Prozesse: Betrachten Sie Ihre bestehenden Informationssicherheitsprozesse und vergleichen Sie sie mit den Anforderungen der ISO 27001. Hierbei ist es wichtig, die Effizienz und den Schutz Ihrer Informationssysteme (ISMS) zu bewerten.
Richten Sie ein internes Audit-Team ein: Wählen Sie Personen aus, die über die erforderlichen Fertigkeiten und das Verständnis für die ISO 27001 verfügen. Dies kann auch ein Schulungsthema sein, falls notwendig.
Erstellen Sie einen Audit-Checklist: Basierend auf der ISO 27001-Standard und Ihren spezifischen Geschäftsanforderungen entwickeln Sie eine Checkliste, die alle relevanten Kontrollpunkte abdeckt.
Planen Sie den Audit: Legen Sie fest, wann und wie oft der interne Audit durchgeführt werden soll. Dies sollte in Einklang mit Ihren Geschäftszielen und den Anforderungen der ISO 27001 stehen.
Durchführen Sie einen Probe-Audit: Führen Sie einen Probe-Audit durch, um Schwächen in Ihrem System zu identifizieren und den Prozess zu perfektionieren.
Empfehlenswerte Ressourcen sind die offiziellen Veröffentlichungen der EU und der BaFin, die detaillierte Informationen zur Umsetzung der ISO 27001 bieten. Eine schnelle Erfolgsache, die Sie in den nächsten 24 Stunden erreichen können, ist die Zusammenstellung einer Liste der dringendsten Verbesserungsbedürfnisse basierend auf Ihrer Selbstbewertung.
Sollten Sie sich unsicher sein oder wenn der interne Aufwand unangemessen hoch ist, sollten Sie erwägen, externe Hilfe einzuholen. Andernfalls kann die Inhouse-Durchführung eine wertvolle Übung für Ihre Teams sein.
Häufig gestellte Fragen
Frage 1: Muss ich alle Anforderungen der ISO 27001 in einemprozess abdecken?
Nein, Sie müssen nicht alle Anforderungen in einemprozess abdecken. Jedoch sollten Sie sicherstellen, dass alle relevanten Aspekte Ihres ISMS berücksichtigt werden. Sie können den Fokus auf die wesentlichen Prozesse legen und dann schrittweise andere Bereiche einbeziehen. Artikel 4.2 der ISO 27001 besagt, dass Organisationen ein ISMS im Einklang mit den Anforderungen des Standards einrichten und betreiben müssen.
Frage 2: Wie kann ich sicherstellen, dass meine interne Audit-Teams kompetent sind?
Dazu sollten Sie Schulungen durchführen und Zertifizierungen anstreben, die auf die Anforderungen der ISO 27001 abzielen. Ein Beispiel ist das ISMS Lead Auditor-Zertifikat, das von verschiedenen anerkannt wird. Darüber hinaus kann das Einbeziehen von Experten aus anderen Abteilungen, die spezialisierte Fertigkeiten tragen, die Kompetenz des Teams erhöhen.
Frage 3: Was unternimmt man, wenn Schwachstellen im ISMS während des internen Audits entdeckt werden?
Schwachstellen sollten dokumentiert und eine Aktion zur Behebung formuliert werden. Artikel 6.1 der ISO 27001 fordert eine kontinuierliche Verbesserung des ISMS, was die Identifizierung und Behebung von Schwachstellen beinhaltet. Sie sollten ein Dokument erstellen, das die erkannten Risiken und die zugehörigen Maßnahmen zur Risikominderung beschreibt und dies in Ihr kontinuierliches Verbesserungsprogramm einbinden.
Frage 4: Wie kann ich die Wirksamkeit meines ISMS messen und verbessern?
Ein wichtiger Aspekt der ISO 27001 ist die kontinuierliche Überwachung und Überprüfung der ISMS-Wirkung. Sie können dies tun, indem Sie regelmäßige Überprüfungen durchführen und die Ergebnisse analysieren (siehe Artikel 9.1 der ISO 27001). Auf dieser Grundlage können Sie Anpassungen vornehmen und so die Effizienz Ihres ISMS erhöhen.
Frage 5: Gibt es eine Mindestfrequenz für interne ISO 27001-Audits?
Nein, es gibt keine festgelegte Mindestfrequenz für interne Audits. Die Häufigkeit sollte jedoch der Komplexität Ihres ISMS und den zugehörigen Risiken angepasst werden. In der Regel wird empfohlen, mindestens einmal pro Jahr einen vollständigen Audit durchzuführen, zusätzlich zu laufenden Überwachungs- und Überprüfungsaktivitäten (siehe Artikel 9.2 der ISO 27001).
Schlüsselerkenntnisse
In diesem Artikel wurden wichtige Aspekte der internen ISO 27001-Revision behandelt. Zentrale Punkte beinhalten die Schaffung eines Audit-Teams, die Entwicklung einer Audit-Checklist, die Planung des Audits, die Umsetzung von Verbesserungen und die kontinuierliche Verbesserung Ihres ISMS. Es ist entscheidend, die Audit-Aktivitäten mit den Anforderungen der ISO 27001 in Einklang zu bringen und stets die kontinuierliche Verbesserung im Auge zu behalten.
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